Die bucklige Welt des Oberbergischen Kreises ist immer
eine Reise wert. Und das nicht nur wegen ihrer überirdischen
Attraktionen: In der Tiefe der Erde bietet die Region sogar die
Möglichkeit, für wenig Geld einen kleinen
Südsee-Urlaub zu machen.
Anders als in der Karibik sollten die Besucher allerdings
warme Kleidung und festes Schuhwerk tragen, denn in der
Tropfsteinhöhle in Wiehl und der Aggertalhöhle in
Ründeroth liegen die Temperaturen auch in den Sommermonaten
nur bei sechs bis acht Grad. Nicht jeder weiß, dass Europa vor
350 bis 390 Millionen Jahren von einem tropischen Meer mit
Korallenriffen nebst einer artenreichen Tierwelt bedeckt war. Die
Höhlenführer präsentieren ihren Gästen
steingewordene Zeugen dieser Zeit, schildern, was passierte,
nachdem das Meer vom Land verdrängt wurde und wie eine
Höhle entsteht.
Die Aggertalhöhle ist mit 1.071 Metern
die längste im ganzen Rheinland. Der
Gesamthöhenunterschied beträgt 31 Meter. Begleitet von
Dr. Sylvia-Kathrin Tanneberger können die Besucher 270 Meter
der Höhle erkunden. Sie ist beleuchtet, und es gibt weder
steile noch beschwerliche Auf- und Abstiege. Teile des
Führungswegs sind sogar mit dem Rollstuhl befahrbar. Eine
Besonderheit ist die Höhlen-Kapelle, in der auch Konzerte
angeboten werden, die wegen der guten Akustik sehr beliebt sind.
Die Aggertalhöhle wurde 1773 durch Zufall entdeckt und1819 als
Feckelsbergerhütte erstmals erwähnt. Seit 1927 ist sie
für Besucher ausgebaut und beleuchtet. 1945 diente sie als
Luftschutzkeller. 1948 wurden die ersten Führungen nach dem
Krieg angeboten. Seit 1950 heißt sie Aggertalhöhle.
Wissenschaftlich betreut wird sie vom Arbeitskreis
Kluterthöhle.
Faszinierende Stalaktiten und Stalagmiten begeistern in der 868,5
Meter langen Wiehler Tropfsteinhöhle, wo es hinter dem
Höhleneingang 26 Stufen in die Tiefe geht. Sieben Meter unter
der Erde bereiten die erstaunlichsten Gebilde den Besuchern den
Weg. Zu sehen sind dicke Kaskaden, Säulen und Pfeiler. Die
herabhängenden Stalaktiten sind schlanke Tropfsteine,
während die aufragenden Stalagmiten eher plump wirken.
Unglaublich ist auch die Vielfalt der Farben von weiß
glänzend bis leuchtend rot. Die Luftfeuchtigkeit ist relativ
hoch, daher wachsen in der Höhle Moose und Farne.
Wer die ganz spezielle Hochzeit wünscht, kann sich in
30 Metern Tiefe der Tropfsteinhöhle trauen
lassen. Sie ist offizieller Trausaal des Standesamtes
Wiehl und bietet den Heiratswilligen natürlich ein ganz
besonderes Ambiente. Die Tropfsteinhöhle wurde 1860 bei
Sprengungen entdeckt, blieb aber jahrzehntelang unbeachtet.
Erschlossen wurde sie 1926/27 im Rahmen öffentlicher
Notstandsarbeiten. Weite Teile der Höhle waren mit Lehm
gefüllt, der entfernt werden musste.
Der exakte Gangverlauf ist noch immer nicht komplett bekannt, denn
der Schlamm wurde nicht restlos beseitigt.
Der Arbeitskreis Kluterthöhle betreut die Tropfsteinhöhle
seit 1997 und hatte sie 1998 neu vermessen. Um die Höhle herum
findet sich ein isoliertes Kalksteinnest, das von Sandstein und
Tonschiefer umgeben ist. Es handelt sich um ein versteinertes
Korallenriff aus dem Devonmeer mit vielen Fossilien wie Muscheln
und Korallen.
Christian Melzer (Tropfsteinhöhle Wiehl)
Führungsbetrieb Aggertalhöhle
Ründeroth
Servicebüro
Dr.-Ing. Sylvia-Kathrin Tanneberger
Kaltenbacher Straße 2
51766 Engelskirchen
Telefon Höhlenkasse: 0 22 63/7 07 02
info@aggertalhoehle.de.
www.aggertalhoehle.de
Tropfsteinhöhle Wiehl
Waldhotel Hartmann
51674 Wiehl
Telefon: 0 22 62/79 20
Touristinformation der Stadt Wiehl
Telefon: 0 22 62/9 91 95
touristinfo@wiehl.de
www.wiehl.de/tourismus/wissenswertes/sehenswuerdigkeiten
Infos zur Höhlentrauung: 0 22 62/990.


