R(h)einblicke im neuen Schmuckkästchen von Königswinter

Das Siebengebirgsmuseum öffnet nach vollendeter Umbauzeit seine Pforten und rückt die Rheinromantik in ein besonderes Licht

KÖNIGSWINTER. Viele erinnern sich noch an die anheimelnde Atmosphäre des Siebengebirgsmuseums von einst. Die Ausstellungen waren in dem Barockhaus aus dem Jahr 1732 und in einem Anbau untergebracht. Knarrende Holzdielen und -treppen prägten die Eindrücke mit, die noch bis vor etwa zwei Jahren die Besucher durchaus faszinierte.

Nach 21-monatiger Bau- und Einrichtungszeit zeigt sich das Museum nun in einem völlig neuen Licht und das ist durchaus im Wortsinne zu verstehen. "Licht ist der Schlüssel", beschreibt der verantwortliche Architekt Hans-Jürgen Mertens aus Bad Neuenahr das neue Gebäude, das sich räumlich mit dem Barockhaus verbunden hat.

Und tatsächlich: Staunend betreten die Besucher zunächst ein großes, lichtdurchflutetes Foyer. Auf die weiteren Räume im Erd- und Obergeschoss verteilen sich die Themenbereiche Rheinromantik, Landschaftsnutzung, Rheintourismus und Geschichtslandschaft. Auch eine Dachterrasse hat der Gebäudekomplex zu bieten, die, wie soll es auch anders sein, den Blick aufs Siebengebirge freigibt.

Mit der Dauerausstellung "Rheinromantik", die Werke eines privaten Sammlers präsentiert, will das Museum als anerkanntes Fachmuseum Bedeutung erlangen. Überdies kooperiert das Siebengebirgsmuseum mit dem Arp-Museum in Rolandseck und dem Mittelrheinmuseum in Koblenz. Beide Häuser zeigen ebenfalls Ausstellungen zum Thema Rheinromantik und Rheinlandschaften.

Die Baukosten für den fertiggestellten Neubau belaufen sich auf 2,8 Millionen Euro. 70 Prozent der Kosten trägt das Land NRW, 20 Prozent die Stiftung der Familie Lemmerz, sowie die Eduard-Rhein-Stiftung und 10 Prozent die Stadt Königswinter.

 

Köstliches Brot aus dem "Königswinterer Ofen"

Im Siebengebirgsmuseum wurde ein historischer Hausbackofen in Betrieb genommen


Ein gläsernes "Backes" ist nun wirklich eine Rarität. Im Garten des Siebengebirgsmuseums steht so ein Glasbackhaus der besonderen Art. Eigens für einen historischen Backofen wurde der gläserne Anbau im Zuge der Baumaßnahmen für das neu gestaltete Siebengebirgsmuseum errichtet.

Erstmals nun hat der Backofen seinen Betrieb aufgenommen. Der museale Backbetrieb ist somit eröffnet. Bäckermeister Frank Blesgen aus Ittenbach freute sich, als erster Bäcker tätig zu werden. Aus einem Weizen-Sauerteig fertigte er Brote, wie sie schon in der Antike ausgebacken wurden. "Das Rezept ist über 4000 Jahre als", brachte Blesgen die Besucher des Backereignisses zum Staunen. Künftig werden auch die Bäcker Ulrich Fuchs aus Königswinter und Peter Profittlich aus Rhöndorf in diesem Ofen backen.

Möglich wurde die Realisierung des Ofenprojekts durch die Förderung der beiden örtlichen Stiftungen, Professor-Rhein-Stiftung und Stiftung der Familie Lemmerz sowie dem Land NRW im Rahmen der Einbindung in das Strukturförderprogramm der Regionale 2010.
Der Ofen stammt laut mündlicher Überlieferung aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg. Er stand in typischer Anordnung als Anbau in einem Nebengebäude einer heute noch bestehenden Hofanlage in Oberscheuren.

Der Backofenbau hat in der Historie von Königswinter einen hohen Stellenwert und ist als Museumsthema im Siebengebirgsmuseum deshalb besonders interessant. Die Königswinterer Backofenbauer brachten zu überregionaler Bedeutung. Sie nutzten das Tuffsteinvorkommen des Siebengebirges. Die Spuren des Abbaus lassen sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Noch heute bekannt sind die unterirdischen Steinbrüche, die "Ofenkaulen". (zi)

Bäckermeister Frank Blesgen holte die köstlich duftenden Brotlaibe aus dem Ofen im Siebengebirgsmuseum. Foto: Zumbusch
Letzte Änderung: Montag, 24.10.2011 10:28 Uhr

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